Der Besen hängt nicht mehr – es bleiben Gedanken zur richtigen Geschwindigkeit

Written by Detlev Hagemann. Posted in Digital-Publishing

In Herbst und Frühjahr hängt in Baden der Besen an der Straße oder am Winzerhof – als Zeichen: Die Besen- oder Straußwirtschaft hat geöffnet … oder jetzt leider: hatte geöffnet.

Ich liebe diese Zeit: die inspirierenden Gespräche mit Fremden und Freunden über Gott und die Welt, aber natürlich genieße ich auch neuen süßen Wein und Zwiebelkuchen. Diese Straußen-Saison drehten sich unsere Gespräche oft um „Geschwindigkeit und Muße“: dem Suchen nach dem richtigen Maß an Geschwindigkeit und Energie für die Dinge, die wir tun. Aktives Beschleunigen und Entschleunigen des Lebens. Smartphones anlassen oder ausmachen?

Parallelität:

Ich war diesen Herbst in Publishing-Projekte eingespannt, die genau um dieses Thema kreisten:

  • Wo und wie soll die schnelle Nachricht veröffentlicht werden?
  • Wo und wie soll die Herz-Bauch-Gehirn-anprechende Geschichte veröffentlicht werden?
  • Haben wir in unseren Auftritten (Print, Web, App) tatsächlich die richtigen Publishing-Wege gewählt? Werden die menschlichen Grundbedürfnisse Muße einerseits und schnelle Befriedigung der Neugier andererseits richtig bedient?

Zugespitzt:

Fragen wir uns bei den Publishing-Prozessen: Wozu machen wir das?
Also danach, was wir erreichen wollen. Mit der Möglichkeit, das Ziel jederzeit nachjustieren zu können.

Oder fragen wir uns „nur“: Warum machen wir das?
Also danach, welche Gründe es irgendwann einmal gab, einen Prozess in Gang zu bringen und zu halten.

Gibt es Antworten auf die Fragen?

Leider keine schnellen. Außer beim Spiegel scheinen diese neuen Denkprozesse in vielen Verlagen erst am Anfang zu stehen. In vielen Verlagen kommt die Denkbremse aus der Struktur: Ein anordnender Chefredakteur (so genial er auch sein mag) unterbindet häufig die Lernaktivitäten und die Kreativität seiner „ausführenden Organe“.

Die größte Herausforderung liegt für Verlage im Umgang mit den scheinbar schnellen Geräten/Devices.
Hier muss ich einen kurzen Einschub machen: Bis jetzt habe ich hier fast nur über Inhalte und Bedürfnisse geschrieben – aber noch nicht über die Publishing-Hardware wie Web, Smartphone/Tablet und Print. Kurz und knapp: Print ist aus heutiger Sicht ein überwiegend langsames „Gerät“, Web ein überwiegend schnelles.
Und die Apps? Auf dem Smartphone werden Apps als schnelles Medium genutzt – aber auf den Tablets? Erwarten die Benutzer schnelle Nachrichten oder schöne Geschichten? Apps können hervorragend beide Geschwindigkeitsbedürfnisse des Menschen befriedigen – aber welche Erwartung des Lesers/Benutzer soll eigentlich durch Ihre App erfüllt werden?

Sie haben es bemerkt: Bei Print und auch bei Web müssen wir eigentlich nicht über die Erwartungen diskutieren. Bei Tablet-Apps ist aber genau diese Diskussion über Erwartungen und Bedürfnisse von zentraler Bedeutung.

Wie vorgehen?

Arbeiten Ihre App- und Web-Redaktionen hierarchisch oder schon als „Team 3.0“:

  • Ziel definieren
  • Auftritt/Programmierung beginnen
  • Ausführung überprüfen und Ziel nachjustieren
  • Auftritt/Programmierung ausfeilen
  • Ausführung überprüfen und Ziel nachjustieren
  • Auftritt/Programmierung ausfeilen usw.

Bei diesem Prozess begleite ich Sie gerne – als Ideengeber und Querdenker.

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